| Biographie Stefanie Barbara & Dr. h.c. Wolfgang Schreiner und die Geschichte des Grafik Museum Stiftung Schreiner Bad Steben |
Kunst vermag Brücken zu bauen - zwischen Menschen und auch zwischen Ländern. Davon sind die Stifter und Gründer des Grafik Museums, Stefanie Barbara und Dr. h.c. Wolfgang Schreiner, zutiefst überzeugt. Dieser Leitsatz steht über dem Engagement beider, als Kunstvermittler ihre Kraft in den Bau dieser Brücken zu stecken. Die Gründung des Grafik Museums im Juni 1994 hat ihre Wurzeln im Leben und dem sozialen Engagement dieser beiden Persönlichkeiten. Wolfgang Schreiner, im Berufsleben Generalbevollmächtigter und Osteuropa-Direktor der Leonard Monheim AG, wurde zum Kunstliebhaber und -sammler an der Seite von Professor Peter Ludwig, dem Vorsitzenden des Konzerns, der gleichzeitig der bedeutendste private Kunstsammler Deutschlands gewesen ist. Herr Schreiner begleitete seinen Chef und Freund viele Jahre lang bei dessen Reisen in alle Welt. Stets verknüpften sie dabei die wirtschaftlichen Aktivitäten mit der Kunst, besuchten Künstler in deren Ateliers, kauften vor Ort. Dabei baute Wolfgang Schreiner eine umfangreiche Sammlung an Druckgrafik auf, mit den Schwerpunkten Kunst der DDR sowie Osteuropas, besonders Bulgariens. Auch in China, auf Kuba und in der Sowjetunion öffneten sich für Professor Ludwig und Dr. h.c. Schreiner durch das wirtschaftliche Engagement Türen für die Kunst, die in den Zeiten des Kalten Krieges sonst niemandem offen standen. Und Wolfgang Schreiner erkannte die Möglichkeit und die Notwendigkeit, die Menschen auf beiden Seiten des Eisernen Vorhanges durch die Kunst einander wieder näher zu bringen. Stefanie Barbara Schreiner ist auf das Engste mit der ostdeutschen und osteuropäischen Kunst verknüpft. Auch sie sammelte Druckgrafik von Künstlern der DDR und aus Osteuropa. Mit ihrer privaten Verbindung legten die beiden Kunst-Enthusiasten auch ihre Sammlungen zusammen. Miteinander arbeiteten sie daran, durch die Kunst die Menschen in Ost und West einander näher zu bringen. Zusammen zeigten sie bereits ab 1980 in Ausstellungen sowohl Kunst aus dem Westens in der DDR als auch Kunst der DDR und des Ostens im Westen Deutschlands. Mit dem Ende der DDR 1990 war logischerweise auch die Sammlung der DDR-Kunst der Schreiners abgeschlossen. Das Ehepaar gab über 1800 dieser Druckgrafiken, die wichtige Dokumente der Zeit sind, über die Ludwig-Stiftung Aachen als Dauerleihgabe an das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg. Davon erfuhr der damalige bayerische Finanzminister Dr. Georg von Waldenfels. Er bedauerte sehr, dass diese kunsthistorisch und politisch bedeutende Sammlung nicht hier, im ehemaligen Grenzgebiet, bleiben konnte. Und da auch der damalige Bad Stebener Kurdirektor Detlev Janetzek gern eine ständige Ausstellung oder ein Museum im Staatsbad haben wollte, entstand die Idee zur Gründung des Grafik Museums Stiftung Schreiner Bad Steben. Ihm liegt eine Schenkung von 250 grafischen Kunstwerken Osteuropas des Ehepaares Schreiner an den Freistaat Bayern zugrunde, der für das Museum die Räume im Kurhaus zur Verfügung stellte, die gleichzeitig für die Kurgäste als Vortragssaal und Leseräume genutzt werden. Durch diese Doppelnutzung kommt die Kunst zu den Menschen - Schwellenangst dem Museum gegenüber gibt es nicht, hier gehört die Kunst ganz selbstverständlich dazu. Zum Leiter des Museums wurde der Lichtenfelser Kunsthistoriker Dr. Axel Janeck berufen. Konzeption, Organisation und Durchführung der Ausstellungen übernahm das Ehepaar Schreiner ehrenamtlich, im Vertrauen darauf, dass im Laufe der Zeit eine Regelung für den Museumsbetrieb gefunden werde. So untersteht das Grafik Museum Stiftung Schreiner dem Bayerischen Finanzministerium - und nicht dem für Kunst und Kultur zuständigen Ministerium. Ein Umstand mit weitreichenden Folgen: Denn eine tragfähige Finanzierung des Museumsbetriebes kam nie zustande. Das Finanzministerium sieht sich nicht dafür zuständig, den Betrieb des Museums finanziell zu unterstützen - allerdings auch sonst niemand in der bayerischen Regierung: Briefe an den bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber mit der Bitte um Klärung wurden wiederum vom Finanzministerium beantwortet, mit dem Verweis auf die bekannten Sachverhalte. Nach der Privatisierung des Staatsbadbetriebes in Bad Steben und der Gründung der Bayerischen Staatsbad Bad Steben GmbH 1999 kündigte das Finanzministerium den Vertrag mit Dr. Janeck als Museumsleiter. Daraufhin wurde ein Förderverein für das Museum gegründet, dem 90 Personen und Institutionen angehören ( Stand 12/2004). Das Ehepaar Schreiner fand regionale und überregionale Unterstützer und Sponsoren, die die vielen Ausstellungen und Kataloge finanziell förderten, wie die Oberfrankenstiftung, die Friedrich-Baur-Stiftung und die Schmidt-Bank; die Staatsbad Bad Steben GmbH gab Mittel aus ihrem Marketingetat. Trotz der stets prekären Finanzlage arbeitete das Ehepaar Schreiner mit voller Energie daran, das Grafik Museum als ein lebendiges Haus der Begegnung zu führen. Die Konzeption des Museums steht auf vier Säulen: 1. Schwerpunkt Osteuropa: Immer wieder öffnete das Haus seine Türen sowohl für Übersichtsausstellungen zur aktuellen Kunst osteuropäischer Länder, vor allem Bulgariens, als auch für Werkschauen wichtiger einzelner Künstler. 2. Bedeutende Künstler aus der DDR, deren Werk auch nach der Wende bleibende Bedeutung hat. 3. Internationale Kunst: Auch hier wurde in Gemeinschaftsausstellungen Überblick über die aktuelle Kunst eines Landes gegeben wie Kuba, China oder Italien, und es gab andererseits große Werkschauen einzelner international bedeutender Künstler. Wobei ein Höhepunkt der Museumsarbeit sicher die Ausstellung mit Werken von Pablo Picasso war, die das Grafik Museum 1995 in Bad Steben zeigte. 4. Regional bedeutende Künstler, wozu durch die Lage Bad Stebens nahe der ehemaligen Grenze zur DDR neben Franken auch Sachsen und Thüringen gehören. Hinzu kommen vielbeachtete Ausstellungen mit fotografischen Werken. Zu jeder Ausstellung im Museum gehört eine Laudatio oder ein Fachvortrag bei der Vernissage, wobei das Ehepaar Schreiner durch seine vielfältigen Kontakte stets einen für das Thema besonders kompetenten Referenten gewinnen konnte. Für ihr kulturelles und gesellschaftliches Engagement wurden Stefanie Barbara Schreiner und Dr. h.c. Wolfgang Schreiner mehrfach ausgezeichnet, darunter im Jahr 1998 mit dem Kulturpreis der Oberfrankenstiftung. Wolfgang Schreiner erhielt Ehrungen bis hin zum Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, die Nationale Akademie der Künste in Sofia in Bulgarien verlieh ihm die Ehrendoktorwürde. Stefanie Barbara Schreiner wurde mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt. Auch haben viele internationale Gäste - besonders aus Bulgarien - durch ihren Besuch dem Grafik Museum Stiftung Schreiner Bad Steben ihre Referenz erwiesen. Aus Altersgründen beendete das Ehepaar Schreiner seine ehrenamtliche Betreuungsarbeit für die Ausstellungen des Grafik Museums zum Jahresende 2004. Nach langen Verhandlungen und dem Einsatz vieler regionaler und überregionaler Politiker für das Museum kam im November 2004 ein Finanzierungskonzept für einen neuen Ausstellungsleiter des Grafik Museum Stiftung Schreiner zustande. Somit ist die Weiterführung der Ausstellungstätigkeit im Grafik Museum für die nächsten Jahre gesichert. Der neue Leiter des Grafik Museum Stiftung Schreiner ist ab 1. Januar 2005 Herr Harry Kurz, Diplom Designer und Künstler aus Selbitz. Herr Kurz verfügt über langjährige Ausstellungserfahrung und wird das Konzept des Grafik Museums zusammen mit dem Ehepaar Schreiner in derem Sinne weiterführen. Er ist freier Mitarbeiter des Vereins zur Förderung des Grafik Museum Stiftung Schreiner, dessen Vorsitzender weiterhin Dr. h.c. Schreiner sein wird. |